Stadt Velten
Die große Zeit der Ofenfabriken
Der Maurerpolier J. Ackermann erhielt 1835 die Genehmigung für den Aufbau einer
Kachelofenfabrik und Ziegelei. Dies war ein Gründungsakt mit einer großen Tragweite
für den Ort Velten. Unter fachlicher Anleitung des Töpfermeisters Seydlitz -
er führte seit 1828 eine Töpferei in Velten - begann bei Ackermann die Produktion der
weißen Schmelzkacheln, die Velten berühmt gemacht haben. In wenigen Jahren
wuchs das Unternehmen zu einem Großbetrieb heran und stellte neben den
weißen Berliner Öfen auch farbig glasierte "Kunstöfen" im Stil vergangener
Jahrhunderte her. In den Anfangsjahren nach Gründung der ersten Ofenfabrik
wuchs die Zahl der Unternehmen im Ort zunächst langsam. Die nahegelegenen
Tonberge lieferten den Rohstoff und nach 1871 setzte jenes Gründungsfieber ein,
das fast 40 Ofenfabriken entstehen ließ. Velten steht bis heute als Synonym für Ton,
Schmelzkachel und Berliner Ofen. Im Jahr 1905 lieferte Velten 100.000 Kachelöfen
für die nahegelegene Hauptstadt des Deutschen Reiches, der Ort befand sich auf
dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Es gab 46 Fabrikbetriebe,
davon 38 Ofenfabriken. Die Einwohnerzahl hat sich in 70 Jahren verzwanzigfacht
und lag 1905 bei 7.500 Einwohnern.
Velten im 20. Jahrhundert bis heute
Der über drei Kilometer lange Stichkanal entstand 1910/11. Er verbindet Velten mit
der Havel, die hier als Oder-Havel-Kanal zur selben Zeit als Schifffahrtsstraße
zwischen Berlin und dem Seehafen Stettin ausgebaut worden ist.
Vor dem Ersten Weltkrieg setzte sich der damalige Amts- und Gemeindevorsteher
H. A. Zieger für ein ehrgeiziges Projekt ein: Er wollte aus Velten einen Wohn-
und Industriestandort machen, 800.000 Menschen (in Worten: achthunderttausend!)
sollten nach seinen Plänen aus Berlin nach Velten übersiedeln und hier Arbeit
und Wohnung finden. Diese Pläne galten schon 1925 als gescheitert, aber es ist
Ziegler eine konzentrierte Ansiedlung zahlreicher nichtkeramischer Gewerbe in
Velten zu verdanken. Dadurch konnte die sinkende Zahl der Ofenfabriken
kompensiert werden. Obwohl es 1935 weniger Ofenfabriken gab als zu Beginn
des Jahrhunderts, galt die Verleihung des Stadtrechts für Velten 100 Jahre
nach Gründung der ersten Ofenfabrik als krönender Abschluss einer rasanten
Entwicklung, wie ihn kein anderer Ort der Mark Brandenburg erlebt hatte.
Für das Wohngebiet Velten Süd mit 1.432 Wohnungen war 1985 der Baubeginn.
Ab 1992 entstand im Süden Veltens der Business Park, 1999 folgte das
Gewerbe- und Industriegebiet "Am Heidekrug".
Seit 1997 lädt die "Ofenstadt-Halle" regelmäßig zu kulturellen Veranstaltungen ein.
Die Ofenstadt Velten hat 12.000 Einwohner.
> Besonders sehenswert:
Rathaus mit Rathausvorplatz, Ofenmuseum mit Ofenfabrik,
Historischer Anger mit Kirche, Bernsteinsee
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